G.Grass - Die Blechtrommel, Deutsch, Teksty

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Ãœber dieses Buch:
Mit vollkommener Unbefangenheit überschreitet Günter Grass i
n
seinem Roman immer wieder all jene Grenzen, hinter denen
dieTabus unserer Gesellschaft liegen. Gerade weil Ekel und Tod,
weil Sexualität und Blasphemie aber nicht zum Zweck der
Provokation, sondern um der dichterischen Wahrheit willen beim
Namen genannt werden, wird das vordergründig Schockierende
zum heilsamen Schock. Dabei scheint der Dichter nur zu
fabulieren, er greift nichts an, beweist nichts oder will nicht mit
erhobenem Zeigefinger belehren. Er folgt einfach dem
verworrenen Lebensweg seines Blechtrommlers Oskar durch das
alte Danzig, durch die Wirren der Kriegs- und
Nach
kriegsjahre.
Er türmt Geschichte auf Geschichte und schafft so unverfroren,
schonungslos und mit unerschütterlich gutem Gewissen die
Wirklichkeit eines neuen Epos.
GÃœNTER GRASS
DIE BLECHTROMMEL
ROMAN
FISCHER BÃœCHEREI
Personen und Handlung des Buches sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit .mit einer
lebenden oder verstorbenen Person ist nur zufällig
In der Fischer Bücherei
1.—50. Tausend: September 1962
51.—75. Tausend: November 1962
76.—100. Tausend: Januar 1963
101.—125. Tausend: Mai 1963
126.—200. Tausend: Juli 1963
201.—250. Tausend: November 1963
251.—272. Tausend: Dezember 1963
273.—322. Tausend: Dezember 1963
323.—372. Tausend: Mai 1964
Ungekürzte Ausgabe
Umschlagentwurf: Günter Grass
Fischer Bücherei KG, Frankfurt am Main und Hamburg
Lizenzausgabe des Hermann Luchterhand Verlages GmbH
5. und
6.
Auflage August 1960 by Hermann Luchterhand Verlag GmbH,
Darmstadt-Berlin-Spandau-Neuwied am Rhein
Foto auf der Umschlagrückseite: Rama, Berlin
Gesamtherstellung: Hanseatische Druckanstalt GmbH, Hamburg
Printed in Germany
Für
Anna Grass
ERSTES BUCH
DER WEITE ROC K
Zugegeben: ich bin Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt, mein Pfleger beobachtet mich, läßt mich
kaum aus dem Auge; denn in der Tür ist ein Guckloch, und meines Pflegers Auge ist von jenem
Brau n, welches mic h, den Blauäu gi ge n, nicht durchschaue n kann.
Mein Pfleger ka nn also gar nic ht mei n Fei nd sein. Lieb ge wo nne n habe ich i hn, erzä hle dem Gucker
hinter der Tür, sobald er mein Zimmer betritt, Begebenheiten aus meinem Leben, damit er mich trotz
des ihn hi ndernden Guckloches kenne nlernt. Der Gute scheint mei ne Erzä hlu nge n zu schät ze n, denn
sobald ich ihm etwas vorgelogen habe, zeigt er mir, um sich erkenntlich zu geben, sein neuestes
Knotengebilde. Ob er ein Künstler ist, bleibe dahingestellt. Eine Ausstellung seiner Kreationen würde
jedoch von der Presse gut aufgenommen werden, auch einige Käufer herbeilocken. Er knotet ordinäre
Bindfäden, die er nach den Besuchsstunden in den Zimmern seiner Patienten sammelt und entwirrt, zu
vielschichtig verknorpelten Gespenstern, taucht diese dann in Gips, läßt sie erstarren und spießt sie mit
Stricknadeln, die auf Holzsöckelchen befestigt sind.
Oft spielt er mit dem Gedanken, seine Werke farbig zu gestalten. Ich rate davon ab, weise auf mein
weißlackiertes Metallbett hin und bitte ihn, sich dieses vollkommenste Bett bunt bemalt vorzustellen.
Entsetzt schlägt er dann seine Pflegerhände über dem Kopf zusammen, versucht in etwas zu starrem
Gesicht allen Schrecke n gleic hzeiti g Ausdruck zu geben u nd ni mmt Abstand vo n seine n farbi gen
Plänen.
Mein weißlackiertes metallenes Anstaltsbett ist also ein Maßstab. Mir ist es sogar mehr: mein Bett ist
das endlich erreichte Ziel, mein Trost ist es und könnte mein Glaube werden, wenn mir die
Anstaltsleitung erlaubte, einige Änderungen vorzunehmen das Bettgitter möchte ich erhöhen lassen,
damit mir niemand mehr zu nahe tritt.
Einmal in der Woche unterbricht ein Besuchstag meine zwischen weißen Metallstäben geflochtene
Stille. Dann kommen sie, die mich retten wollen, denen es Spaß macht, mich zu lieben, die sich in mir
schätze n, achte n u nd kenne nlerne n möc hte n. Wie blind , nervös, wie unerzo ge n sie sind. Kratze n mit
ihren Fingernagelscheren an meinem weißlackierten Bettgitter, kritzeln mit ihren Kugelschreibern und
Blaustiften dem Lade langgezogene unanständige Strichmännchen. Mein Anwalt stülpt jedesmal,
sobald er mit seinem Hallo das Zimmer sprengt, den Nylonhut über den linken Pfosten am Fußende
meines Bettes. Solange sein Besuch währt — und Anwälte wissen viel zu erzählen — raubt er mir
durch diesen Gewaltakt das Gleichgewicht und die Heiterkeit.
Nachdem mei ne Besucher i hre Geschenke auf dem weiß en, mit Wac hstuch bezo ge ne n Tischche n
unter dem Anemonenaquarell deponiert haben, nachdem es ihnen gelungen ist, mir ihre gerade
laufenden oder geplanten Rettungsversuche zu unterbreiten und mich, den sie unermüdlich retten
wollen, vom hohen Standard ihrer Nächstenliebe zu überzeugen, finden sie wieder Spaß an der
eigenen Existenz und verlassen mich. Dann kommt mein Pfleger, um zu lüften und die Bindfäden der
Geschenkpackungen einzusammeln. Oftmals findet er nach dem Lüften noch Zeit, an meinem Bett
sitzend, Bindfäden aufdröselnd, so lange Stille zu verbreiten, bis ich die Stille Bruno und Bruno die
Stille nenne.
Bruno Münsterberg — ich meine jetzt meinen Pfleger, lasse das Wortspiel hinter mir — kaufte auf
meine Rechnung fünfhundert Blatt Schreibpapier. Bruno, der unverheiratet, kinderlos ist und aus dem
Sauerland stammt, wird, sollte der Vorrat nicht reichen, die kleine Schreibwarenhandlung, in der auch
Ki nderspielzeu g verkauft wi rd, noc h einmal aufsuche n und mir den not we ndi ge n unli nierten Plat z für
mein hoffentlich genaues Erinnerungsvermögen beschaffen. Niemals hätte ich meine Besucher, etwa
den Anwalt oder Klepp, um diesen Dienst bitten können. Besorgte, mir verordnete Liebe hätte den
Freunden sicher verboten, etwas so Gefährliches wie unbeschriebenes Papier mitzubringen und
meinem unablässig Silben ausscheidenden Geist zum Gebrauch freizugeben.
Als ich zu Bruno sagte: »Ach Bruno, würdest du mir fünfhundert Blatt unschuldiges Papier kaufen?«
antwortete Bruno, zur Zimmerdecke blickend und seinen Zeigefinger, einen Vergleich herausfordernd,
in die gleiche Richtung schickend: »Sie meinen weißes Papier, Herr
Oskar.«
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